Montag, 26. November 2012

Angst



Angst bestimmt mein Leben schon solange ich denken kann.
Jeder der in seinem Leben missbraucht worden ist kennt diese Angst. Sich immer wieder neu auf den Missbraucher einstellen zu müssen, nicht ahnen was als nächstes kommt. Was geht vor in diesem Menschen, was sind seine Gedanken.
Mal ist es richtig was man macht, dann wieder ist es falsch. Nie vorausahnen zu können und es doch so dringend brauchen.
Dann kommt zur Angst noch die Hilflosigkeit dazu, sich nicht wehren können. Keine Hilfe anfordern dürfen, denn dann wird jemanden etwas passieren oder einem selbst. Je nach dem, was der Täter einem eingeimpft hat.
Versuchen die Angst zu zeigen, wenn auch nur mit den Augen, denn reden darf man ja nicht. Hoffen das vielleicht jemand es sieht und mal nachfragt. Leider ist die Hoffnung meistens vergebens.
Angst dass es einem angesehen wird, was da mit einem passiert. Angst selber schlecht und unrein zu sein.
Irgendwann macht sich die Angst selbständig, sie ist immer da egal was man gerade macht. Ständig ist der Körper voller Adrenalin.
Auch wenn der Missbrauch dann irgendwann vielleicht aufhört bleibt die Angst, sie begleitet einen weiter.
Jetzt wird es dann auch zu einem Problem, denn man ist nicht in der Lage ein normales Leben zu führen. Ständig gibt es etwas was Angst macht. Wird die Angst zu groß, gibt es Panikattacken die aber erstmal als solche erkannt werden müssen um ihnen entgegen steuern zu können. Worte und Gesten können gefährlich werden, können Flashbacks auslösen, oder ein Geruch.
Kaum eine freundschaftliche Beziehung kann entstehen, denn dann müsste ich ja in der Lage sein Vertrauen zu können. Ist es möglich das man gemocht wird, ohne dass man dafür eine Gegenleistung erbringen muss. Kaum zu glauben, aber es gibt solche Beziehungen nur nicht für mich.
Ich arbeite daran, aber es ist schwer. Zu oft bin ich enttäuscht worden. Versuche ich eine Freundschaft zu einer Frau aufzubauen, dann ist sie sofort da die Angst von dieser Frau getäuscht und hintergangen zu werden. Eine Frau war verantwortlich für den Missbrauch an mir, eine Frau die mir eigentlich ihre Liebe hätte geben müssen, meine Mutter.
Ich kann noch nicht einmal eine Therapeuthin haben, denn es wäre eine Frau der ich mich öffnen müsste.
Für jeden anderen ist es etwas ganz normales einkaufen zu gehen, für mich ist es an vielen Tagen eine Qual. Menschenmengen sind der Horror, bei mir fängt die Menge schon bei mehr als 5 Menschen an. Unmöglich an der Kasse an zustehen und dabei Menschen im Rücken zu haben, der Platz reicht nicht, die Angst kriecht langsam den Nacken hoch, ich fange an zu schwitzen und dann entwickelt sich langsam die Panik. Ich weiß vom Kopf her, dass mir nicht passieren kann, bin aber nicht in der Lage dagegen zu steuern.
Auf Feste zu gehen, unmöglich. Konzerte, unmöglich. Alles was mehr als 5 Personen hat ist nicht zu schaffen.
Bus oder Bahn fahren nur mit Unterstützung von Medikamenten. Also lieber gleich zu Hause bleiben. Geht leider nicht immer, denn es gibt Termine die man wahrnehmen muss.
Dann gibt es noch die Angst oder der Angst. Sich dagegen sträuben ihr zu unterliegen. Versuchen den Verstand ein zu schalten, denn ich will mich nicht davon beherrschen lassen. Ich will so gut es geht eigenständig bleiben.
Ich kämpfe einen einsamen Kampf und ich werde weiter kämpfen. Ich will ein halbwegs normales Leben führen können. Ich weiß dass das nicht unmöglich ist.
Trotz allem was mir widerfahren ist bin ich ein positiv eingestellter Mensch und liebe mein Leben.


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