Mittwoch, 5. Dezember 2012

Selbsthilfegruppenerfahrung

Bei einer Persönlichkeitsstörung wie die meine ist es sehr schwer überhaupt eine Selbsthilfegruppe zu finden, also war ich regelrecht dankbar wie eine Dame von der Opferhilfe Niedersachsen mir von so einer Gruppe erzählte, die von der Staatsanwaltschaft finanziert wird.
Diese Gruppe wird geleitet von einer ausgebildeten Person. Ich habe also Kontakt aufgenommen mit dieser Dame und das erste Gespräch war auch völlig ok und ich dachte jetzt habe ich wirklich die Chance etwas von anderen zu erfahren die auch betroffen sind.
Meine Diagnose war noch sehr jung und ich hatte sooo viele Fragen. Wie gehen andere damit um, wie schaffe ich es Kontakt zu den einzelnen Persönlichkeiten aufzunehmen, wie fühlt es sich bei den anderen an usw.
Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt.

Zum ersten Treffen bin ich mit sehr gemischten Gefühlen gegangen. Wie würden die Anderen sein? Käme ich mit denen klar, ich kann ja nicht mit Frauen.Aber ich wollte unvoreingenommen dorthin.
Beim ersten Treffen waren noch 3 andere Frauen da. Die eine kam etwas zu spät und als sie kam, da wollte sie mir gleich um den Hals fallen. Das war nun garnichts für mich, denn ich kann mich nicht von fremden Menschen anfassen lassen, ich also gleich einen riesen Schritt zurück.Sie hat es aber akzeptiert und in der Zukunft lies sie das auch sein.

Dann bekam jeder einen Kräutertee von der Dame die diese Gruppe leitete. Kräutertee und dann auch noch ohne Zucker, aber ich habe dieses Zeug tapfer in mich hereingewürgt, denn ich wollte ja nicht gleich schlecht rüberkommen. Der ganze Ort an dem diese Treffen stattfanden war mir viel zu esoterisch angehaucht, ist nicht so mein Ding.

Ich saß also voller Erwartung da, stellte mich auch kurz vor und dann dachte ich ich kann ja nun vielleicht endlich meine Fragen stellen. Soweit kam es dann aber nicht.
Da die Gruppe ja angeleitet wurde, stellte die Dame dann den Anderen erstmal Fragen wie es denn die Woche so über war usw. Ich saß da und verstand nur Bahnhof, denn die Anderen hatten die Angewohnheit nur in Abkürzungen zu reden,d.h. wenn sie von jemand anderen sprachen dann wurde nur der Anfangsbuchstabe gesagt. Die Anderen waren schon über Monate zusammen und eine eingeschweißte Gruppe. Ich fühlte mich außen vor und völlig fehl am Platze.

Als die Stunde dann zu Ende war, da haben wir draußen noch kurz miteinander gesprochen. Die wollten mich gleich alle einladen zu denen zu kommen um Kekse zu backen und noch andere Dinge. Ich habe dankend abgelehnt, ich kannte doch die Frauen nicht, die wohnten alle viel weiter weg. Und als die sich dann auch noch übers Autofahren unterhielten und die Eine dann erzählte, sie wäre doch ziemlich angetrunken Auto gefahren, was ja nicht schlimm sei, denn sie könnte ja immer sagen sie wäre ja nicht gefahren sondern eine andere Persönlichkeit.
Ich fand dies ziemlich Verantwortungslos, denn ich fahre kein Auto mehr seit ich weiß das ich viele Persönlichkeiten habe.Mir ist das zu gefährlich, ich habe Angst das eine andere Persönlichkeit während der Fahrt übernimmt und die ist vielleicht ein Kind und hat keine Ahnung davon oder kann die Gefahren nicht richtig einschätzen. Mein Therapeut meinte zwar, wir hätten alle die gleichen Fähigkeiten, aber ich möchte mich auf keinen Fall darauf verlassen. Ich bin da sehr verunsichert.

Aber zurück zu Gruppe. Das erste Treffen war also nicht so wie erwartet und ich dachte mir ok vielleicht ist es nächstes Mal besser. Dies erfüllte sich leider nicht, ich war immer außen vor, denn ich kannte die Zusammenhänge der Geschichten nicht und es machte sich auch keiner die Mühe mich aufzuklären. Ist schön blöd, wenn Andere erzählen und man versteht den Sinn nicht, da nicht alle Worte voll ausgesprochen werden.

Nach 4 Wochen habe ich mich verabschiedet, es brachte mir nichts. Meine Zeit konnte ich auch anders verbringen.

Dies war mein erster und auch mein letzter Versuch.

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