Sonntag, 27. Januar 2013

Selbstverletzendes Verhalten, SVV

Bei vielen psychischen Erkrankungen gibt es das Phänomen der Selbstverletzung. Es gibt viele verschiedene Arten davon.
Ich selber kenne einige davon, wobei es bei mir meist so ist, dass ich nicht selber es bin die meinem Körper Verletzungen zufügt, sondern es sind verschiedene Persönlichkeitsanteile.

Hört sich im ersten Moment blöd an, so als wäre es nur eine Ausrede, aber es ist leider die Wirklichkeit. Wenn so was passiert, dann habe ich keine Möglichkeit ein zu greifen.

Wie ich ja schon erzählt habe, gibt es eigentlich jeden Tag Stunden an denen ich nicht weiß, was ich in der Zeit gemacht habe.

Nun ist es so, dass ich also einen völligen Blackout habe und dann wenn ich wieder da bin, hab ich den Salat.

Vor vielen Jahren schon, als ich selber noch nicht wusste das ich Viele bin, da kam es schon zu Verletzungen, die aber nicht ganz so schlimm waren und die ich auch garnicht als Selbstverletzung empfunden habe.

Damals musste ich mir noch ein Zimmer mit meiner Tochter teilen, und die kann ein Lied davon singen. Meistens ist es in der Nacht passiert, ich habe im Schlaf angefangen mich zu kratzen und das ziemlich heftig, so dass meine Tochter davon aufgewacht ist. Es sah sehr hässlich aus, denn die Stellen konnten garnicht richtig verheilen. In dieser Zeit habe ich angefangen auch Nachts ein Unterhemd zu tragen, damit ich nicht sofort die Haut verletze.

Jetzt kommt bestimmt der Einwand, dass ist doch nicht soo schlimm. Stimmt ist nicht so schlimm, ist aber auch eine Art der Selbstverletzung.

Als ich noch gearbeitet habe, da sind mir auch einige Dinge passiert, die ich nicht mitbekommen habe, erst als es zu spät war.
Ich habe in einem Callcenter gearbeitet und da kam es dann auf, dass es Gesprächsführungsseminare gab. Ansich waren sie auch interessant, aber nur solange wie sie von der Firma alleine durchgeführt worden sind. Später kamen dann so genannte Personaltrainer dazu. Und dann ging es los mit Selbstwertgefühl und vielen anderen Dingen.
Wobei ich der Meinung bin, dass es ein sehr gefährliches Ding ist, solche Seminare durch zu führen, wenn die Leute nicht auch ein wenig in Psychologie ausgebildet sind um die Teilnehmer auffangen zu können, wenn sie zu tief abrutschen. Vor allen Dingen bei den MLP Seminaren, denn da wird oft in die Vergangenheit gegangen.
Bei mir war es so, dass ich sofort abrutschte und alles versuchte an diesen Seminaren nicht teilnehmen zu müssen. Was zu Anfang sehr schwierig war, weil ja niemand in der Firma wusste was mit mir los war.

Als erstes passierte es mir, dass ich morgens zur Arbeit fahren wollte und beim rausgehen aus der Wohnzimmertür kam ich an den Türrahmen und dabei habe ich mit den rechten Mittelfinger gebrochen. Wie kann so was gehen. Ja das weiß ich bis heute nicht genau. Nach meinem Gefühl habe ich mich nur ein wenig gestoßen, aber mein Therapeut und auch der Arzt im Krankenhaus waren der Meinung bei so einem Bruch muss mit sehr viel Kraft gegen den Türrahmen geschlagen worden sein.

Auch dies ist eine Form der Selbstverletzung.

Ungefähr 8 Monate danach, als wieder so ein Seminar an stand, ja da hatte ich einen kurzen Blackout, als ich morgens um 5:30 Uhr die Treppe herunter gegangen bin. Keine Ahnung wie viele Stufen ich gefallen bin, aber das Ergebnis war ein Bruch des Mittelfußknochens. Ich habe es nur noch knacken gehört. Wieder Krankenhaus und wieder in Erklärungsnot, ich muss Euch sagen, dass ist ein ganz schreckliches Gefühl.

Danach musste ich in der Firma wenigstens das nötigste erzählen und dann habe ich ein Attest von meinem Therapeuten bekommen, das mich von diesen Seminaren befreite.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Als die Not der einzelnen Persönlichkeitsanteile immer größer wurde, da griffen sie zu härteren Maßnahmen. Mir wurden die Arme aufgeschnitten. Zuerst waren die Schnitte nicht tief, so dass ich sie auch vor meinem Therapeuten verbergen konnte, aber dann gingen sie eben tiefer und ich musste die Handgelenke verbinden.

Also musste ich meinem Therapeuten erzählen, dass ich es nicht mitbekomme. Da zu dieser Zeit schon feststand das ich Viele bin, kam ich mir nicht ganz so blöd vor zu sagen, ich bekomme es nicht mit und sehe hinterher nur die verbundenen Wunden.

Recht schlimm wurde es dann in der Klinik, denn da passierte es auch und die Schnitte waren so tief, dass man mit mir ins Krankenhaus fahren musste, damit es dort genäht werden konnte. Auch da war sie wieder die Erklärungsnot. Ich konnte dort doch nicht sagen, dass war ich nicht. Denn man wird dort gefragt, waren sie das selber?
Dort ist dann auch aufgefallen, dass ich in diesen Momenten total Schmerzunempfindlich bin, die können da nähen ohne betäuben zu müssen.

Zum Fäden ziehen musste ich das erste Mal dann ambulant beim Chirurgen. Die haben mich da behandelt wie ein rohes Ei, ich sah m ich genötigt dort zu sagen, dass ich keinen Suizidversuch unternommen habe.

Schwierig war es für mich anzunehmen, dass es die Not der Innenpersonen ist und ich nicht schuld bin daran. Ich musste lernen auf mein inneres zu hören und zu reagieren.

Inzwischen kenne ich die Anzeichen und kann entsprechend reagieren, so dass es seit 5 Jahren keine Schnittverletzungen mehr gegeben hat.

Auch verstecke ich meine Narben nicht, ich schäme mich deswegen auch nicht. Es ist passiert und gehört nun zu mir. Meisten denke ich auch garnicht daran.

Das waren jetzt meine Arten der Selbstverletzung, es gibt aber noch sehr, sehr viele.


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