Montag, 18. Februar 2013

Natascha Kampusch

Ich habe schon einige Fernsehauftritte von Frau Kampusch gesehen, aber so richtig authentisch kam sie für mich nie rüber.
Das hat sich gestern durch ihren Auftritt bei Günter Jauch geändert. Viele ihrer Äußerungen konnte ich nachvollziehen. Vor allem,dass sie sich noch etwas Privatsphäre erhalten möchte und deshalb nicht über die sexuellen Übergriffe spricht.
Auch ich bin nicht bereit über meine Erlebnisse öffentlich zu berichten. Zum einem weil ich nicht möchte das es Nachahmer gibt und zum anderen, weil es sehr schmerzlich ist, dass alles in Worte zu fassen. Zum einem weil es bei mir einfach nicht die Worte dafür gibt. Als Kind hat man dafür noch nicht die richtigen Worte. Woher sollen sie also kommen.
Das die Öffentlichkeit so über Frau Kampusch herfällt finde ich alles andere als gut und gerechtfertigt. Seine wir doch mal ehrlich. Die Menschen wollen diese Details möglichst so schnell wie möglich hören. Es kann doch nicht sein, dass da nichts kommt. Sofort wird alles in Frage gestellt.

Dadurch das im Fall Kampusch viele Aussagen der damals 18jährigen an die Presse weiter gegeben worden sind, hatte Frau Kampusch doch nur die eine Möglichkeit. Sie musste sich äußern. Das sie dies in einem Buch getan hat, finde ich völlig richtig. Es ist ihre Geschichte, sie gehört nur ihr allein und nicht der Presse.

Jetzt wird es einen Kinofilm geben. Ich habe gestern einige Ausschnitte davon gesehen und ich hoffe viele Menschen werden sich diesen Film ansehen. Vielleicht kommt Frau Kampusch dann endlich zur Ruhe und die wilden Spekulationen lassen nach, da es auch Szenen geben wird, die den Missbrauch an ihr zeigen.

Das Frau Kampusch nicht bereit war, ihren Namen zu ändern, kann ich vollkommen nachvoll ziehen, denn der Täter hat es nicht geschafft, ihr die Identität zu nehmen, warum soll sie sie jetzt freiwillig abgeben.

Es ist leider mal ein Muß, dass sich die Opfer auf ihre Täter einstellen müssen, anders können sie nicht überleben. Das ist bei allen Opfern von sexueller Gewalt so. Wenn Du ein kleines Kind bist und Jemand der für Dich da sein soll, Dir ganz schrecklich weh tut, wie sollst Du das verstehen. Du musst Dich auf den Täter einstellen, denn anders kannst Du Dich nicht schützen. Du musst erahnen wie er gerade tickt. Ob es eine gute Zeit ist oder wieder eine die mit Schmerzen verbunden ist. Öfter müssen sogar Wesenszüge der Täter angenommen werden.

Dies sind dann später die Täterintrojekte die das Opfer in sich trägt und die immer wieder dafür sorgen, dass es einem schlecht geht.

Wer Glück hat, der hat einen guten Therapeuten, der mit diesen Täterintrojekten arbeitet.

Das schwierige daran ist, man muss sie erstmal erkennen und wissen, dass sie da sind.

Für mich stellt sich jetzt die Frage, lese ich zuerst das Buch von Frau Kampusch oder sehe ich mir zuerst den Film an.


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